Dies ist ein Erfahrungsbericht zum Thema „idiopathische Muzinose“.

 

Hierzu liegen meine persoenlichen Erfahrungen mit dieser Erkrankung zugrunde, die unsere „Shar Pei Huendin“ „Pief“ / „Caipiriha“ seit September 2007 hat. Außerdem musste die Huendin aufgrund  der erblichen Erkrankung am Entropium  im September 2007 an beiden Augen, jeweils am Unter- und Oberlid operiert werden.  „Pief“ / „Caipiriha“  kommt aus dem C – Wurf des Zwingers „Chaitan's“. Sie wurde am 23.06.2005 geboren. Der  Zuechter ist Uwe Lenk!

 

Ich beziehe mich auch auf  Mitteilungen, die mir  viele „Shar Pei Besitzer“ anhand gegeben haben. Sie haben an ihren eigenen Hunden erleben muessen, wie diese an den komplexen Symptomen der„idiopathische Muzinose“ zu leiden hatten.

 

Bei Shar Pei Hunden sind die Hautfalten im Kopfbereich, Augen, Stirn und die Einlagerungen in den Lefzen sowie in den Karpalgelenken auf ein Gendefekt zurueck zu fuehren. Diese erbliche Hauterkrankung wird als „idiopathische Muzinose“ bezeichnet, bei der auch haeufig muzinoese Blasenbildungen im Halsbereich, am Bauch und den Innenschenkeln zu beobachten sind. Es koennen auch die Schleimhaeute des Nasen- und Rachenraumes betroffen sein.

 

Fuer die „idiopathische Muzinose“ ist der Shar Pei praedisponiert! Es handelt sich hier um ein familiaeres Problem in den jeweiligen Zuchtlinien. Diese spezifische Krankheiten der Shar Pei wurde in vielen klinischen Faellen durch eine grosse Anzahl von Biopsieproben festgestellt. Nach meinem Wissensstand ist die „idiopathische Muzinose“ eine, der am haeufigsten in Deutschland vorkommenden Erkrankungen in der Zucht von Shar Pei Hunden mit zunehmender Tendenz.  

 

Wenn die Blaeschen geoeffnet werden oder  platzen, tritt klare, helle bis honigfarben, zaehe Fluessigkeit aus, das Muzin, eine eiweißhaltige Fluessigkeit. Die Blasen halten recht lange und koennen sehr groß werden, insbesondere im Halsbereich.

Vorwiegend sind junge Tiere von der idiopathischen Muzinose betroffen, doch auch aeltere Hunde koennen die Symptome dieser Erbkrankheit aufweisen.

 

Diagnostiziert wird die Krankheit durch den so genannten Muzin-Test, eine histologische Pruefung der Hautbiopsien. Hierbei wird eine der Blasen punktiert, so dass sich im Falle einer Muzinose eine entzuendliche Absonderungen, das Muzin entleert.

 

Wenn der Hund die Blaeschen aufkratzt, oder sie sich aus anderen Gruenden geoeffnet haben (z.B. durch das Halsband) und sich entzuenden, dann sind diese Wunden sofort mit einer entzuendungshemmenden Salbe zu versorgen. Diese entzuendungshemmenden Salbe sollte frei von Cortison sein. Cortison baut beim Shar Pei das Fettgewebe und Muzin-Einlagerungen in den Hautfalten des Kopfbereichs (Augen, Stirn) und die Einlagerungen in den Lefzen sowie in den Karpalgelenken ab. Ausserdem entzieht Cortison dem Gewebe auch Wasser. Durch diese Nebenwirkungen koennen weitere Probleme auftreten.

Beim Shar Pei wird nach der Diagnose „idiopathischen Muzinose“ normalerweise keinerlei Therapie angewandt, da die Symptome dieser Krankheit nach einer entsprechenden Zeit von selbst verschwinden.

 

Fatal fuer alle Beteiligten wird es aber, wenn der Shar Pei gleichzeitig zur Erkrankung an „idiopathischen Muzinose“  noch eine weiteres familiaeres Problem hat. Bei unserer „Shar Pei Huendin“ „Pief“ / „Caipiriha“ war das der Fall. Sie hat naemlich zusaetzlich die weitere genetisch bedingte Erkrankung, das Entropium, und musste unaufschiebbar an den Augenlidern operiert werden. Waehrend der OP und der anschliessenden Heilung machte sich die Ueberproduktion an Muzin sehr nachteilig bemerkbar. Das Gewebe der Augenlieder war sehr weich und Muzin trat nach der OP aus der Wundnaht heraus. Die Gefahr einer Infektion war relativ hoch und die Vernarbung bedarf nun einer laengern Genesungszeit.

 

Die Ausloesung dieser „idiopathische Muzinose“ kann aus meiner Sicht u. a. die Folge einer Stoffwechselstoerung  sein. Oft hilft hier eine Futterumstellung.

 

Die muzinoese Blasenbildungen kann aber auch ihre Ursache in einer Schilddruesenunterfunktion, einem IgA-Mangel oder Lupus erythematodes, auch einer Dermatomyositis haben.

 

Somit sollte der Tierarzt unabhaengig von der Diagnose auf Muzinose abklaeren, ob die Ursache der Blaeschenbildung tatsaechlich idiopathisch ist. Trifft diese Moeglichkeit zu, dann ist selbstverstaendlich diese Grunderkrankung zu therapieren.

 

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Idiopathische Erkrankungen: Als idiopathische Erkrankungen werden alle Krankheiten mit nicht bekannter Ursache bezeichnet, bei denen das Symptom selbst die Erkrankung darstellt und nicht auf einen bekannten Krankheitsablauf zurückgefuehrt werden kann.

 

IgA-Mangel: Beim selektiven IgA Mangel fehlt das IgA, ein Eiweiß aus der Klasse der Antikoerper oder Immunglobuline, das v.a. fuer die Abwehr von Infektionen auf Schleimhaeuten und in Koerpersekreten notwendig ist. Die Stoerung wird als selektiv bezeichnet, weil andere Imunglobuline, wie IgM und IgG mit normalen Werten vorhanden sind. Selektiver IgA Mangel soll der haeufigste Immundefekt ueberhaupt sein.

 

Lupus erythematodes: Hier handelt es sich um eine chronisch-entzuendliche Erkrankung, die durch eine Stoerung der Immunregulation verursacht wird. Man rechnet den „Lupus erythematodes“ auch zu den so genannten Kollagenosen, denn die Antikoerper, die das Immunsystem faelschlicherweise bildet, richten sich unter anderem gegen das kollagenhaltige Bindegewebe, das sich in den verschiedensten Strukturen des Koerpers findet, beispielsweise in der Haut.

 

Dermatomyositis: Die „Dermatomyositis“ ist eine Erkrankung, die dem systemischen „Lupus erythematodes“ aehnlich ist. Jedoch kommt es hier vor allem zu einem Befall von Haut und Muskulatur.

 

Folgende Massnahmen haben sich bei Shar Pei Hunden  mit allgemeinen Hauterkrankungen als hilfreich herausgestellt. Vielleicht koennen sie unseren Hunden auch bei der Behandlung der erbliche Hauterkrankung, der „idiopathische Muzinose“ bei entsprechender Blaeschenbildung helfen:

 

1. Wunde Stellen, aufgeplatzte Muzinblaeschen sind mit entzuendungshemmender Salbe  zu behandeln.

 

2. Umstellung der Ernaehrung auf ausgewogene Kost mit der Zusammensetzung:
„Gefluegel, Vollkornreis aufgeschlossen, Vollkornmais aufgeschlossen, Wildpansen, Wildknochen, Meerfisch, Maiskeime, Gruenfrischkraeuter, Heidelbeeren, Eigelb, Pflanzenoelmischung (kaltgepresst), Wildlachsoel, Topinambur, Algenmischung, Spurenelemente, Vitamineà keine Karotten wegen Fellrotfärbung. Energiegehalt ca.360 kcal/100 g und einem niedrigem Proteingehalt von ca. 20%“.
 
3. Baden des betroffenen Hundes in angesetztem Meerwasser. Diese unverbindliche Empfehlung stammt von Rüdiger Hanisch ,  der auch das Copyright hat:
 

Rezeptur „Meereswasser“:


a.  1 Stck. Plastik- Kanister (10 Ltr.) destilliertes Wasser (pH-Wert neutral),

b.  1 Stck. kleiner Sack Meersalz (zu erwerben in einem Zoogeschäft mit guter Aquaristik - Abteilung,

     alternativ: Drogerie Totes-Meer Salz),

c.  2 Stck. Plastik – Eimer je 10 Ltr..

 

Bei der ersten Anwendung sind z. B. in 8 Ltr. destilliertes Wasser  216 gr. Meersalz (27 gr. Meersalz pro Liter)  durch Einruehren aufzuloesen. Das Meerwasser soll nun 2 Tage aufbewahrt und in dieser Zeit mehrfach von einem Eimer in den anderen gekippt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Umschütten aus einer Hoehe von ca. 1,50m erfolgt, damit relativ viel Luft mit eingebracht werden kann. Alternativ dazu kann man auch mit einer Aquarium - Luftpumpe den gefuellten Eimer zwei Tage lang stark belueften.

 

Mit diesem abgestandenen Meerwasser wird der Hund intensiv (richtig nass machen) gewaschen.

Nach einer Einwirkzeit von ca. einer Stunde wird der Hund abschliessend „klar gespuehlt“, mit normalem lauwarmen Leitungswasser.

 

Bei der zweiten und den folgenden Anwendungen kann man bis zu 33,3 gr. Meersalz pro Liter destilliertes Wasser ansetzen.

 

Aussagen ueber Produkte und Gesundheitszustaende sind durch mich nicht ausgewertet worden.  Alle Informationen ueber diagnostische und therapeutische Methoden (inkl. Informationen ueber Medikamente) gelten nicht als persoenliche Empfehlung oder Therapievorschlag. Das trifft auch auf Empfehlung von Rüdiger Hanisch zu. 

 

Geben Sie ihrem Hund niemals Medikamente ohne Absprache mit Ihrem Tierarzt!

 

 

Hier kannst Du mehr ueber „idiopathische Muzinose“ erfahren:

 

Mast Cell Density and Subtypes in the Skin of Shar Pei Dogs with ... 

http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1046/j.1439-0442.1999.00220.x

 

 

Cutaneous mucinosis and mastocytosis in a shar-pei.

http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?artid=1539873

 


Hanspeter Kobold

Bremen, im Oktober 2007

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