HUEFTGELENKDYSPLASIE  (HD)

Ursache:

Der Oberschenkelkopf passt nicht richtig in die Hueftgelenkpfanne.
Die Ursachen dieser Erkrankung und die Entwicklung der Hueftgelenke liegen sowohl in der Genetik als auch in Aufzuchtfehlern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Fall einer Erbkrankheit nicht ein einzelnes Gen verantwortlich ist. Die Disposition zur Ausbildung einer HD soll von verschiedenen Genen (polygenetisch) beeinflusst werden.

Ist die Ursache genetisch bedingt, liegt eine Erbkrankheit vor. Die Anlage zur  HD erbt der Welpe dann von seinen Eltern. Ob diese Disposition der Welpen zu der gefuerchteten Fehlstellung fuehrt und wie schwer diese ist, haengt von den Bedingungen ab, unter denen der junge Hund aufwaechst. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Aufzuchtbedingungen und die Ernaehrung im ersten Lebensjahr. Zu viel Energie hat zu schnelles Wachstum zur Folge, und dieses beguenstigt die Entstehung einer HD. Fraglich ist, welchen Anteil die Gene, und welchen die Aufzucht- und Umweltbedingungen spielen. Die Meinung von Herrn Klaus D. Kammerer zur Definition der Ursachen ist dem Autor bekannt.

Anders als beim Menschen ist die Hueftgelenksdysplasie beim Hund nicht angeboren, sie entwickelt sich im Laufe des Wachstums.
Alle mir bekannten Vereine zur Zucht von Rassehunden, die dem FCI bzw. VDH angeschlossen sind, haben die Roentgenuntersuchung aller Zuchthunde ab einem Lebensalter von einem Jahr vorgeschrieben. Aus meiner Sicht will und hat man damit schon die genetische Komponente dieser Erkrankung teilweise in den Griff bekommen. In Deutschland spielt diese Erkrankung bei Shar Pei Hunden durch die Zuchtauslese eine untergeordnete Rolle.

Es gibt aber auch Zuechter oder sind es Hundevermehrer, im kongreten Fall die Zuchtgemeinschaft Lenk/Kosbab, die sogar entgegen den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen auf ihrer Webseite, bereits mit der Geburtsanzeige der Welpen damit werben, dass ihre Shar Pei Nachzuchten FREI von  Ellbogendysplasie (ED), Patella Luxation und auch FREI von HD (Hüftgelenkdysplasie) sind! Das entspricht natuerlich nicht den aktuellen Tatsachen, da sich eine Hueftgelenksdysplasie erst nach der Geburt der Welpen in den ersten 12 bis 18 Monaten ihres Lebens entwickelt. Mit dieser Werbeaussage sollen u.U. potentielle Welpenkaeufer angelockt bzw. in die Irre gefuehrt werden.

Die Fehlbildung  des Hueftgelenks kann in der Folge aufgrund von Fehlbelastungen zu schmerzhaften Arthrosen fuehren.

Symptome:
Die Symptome einer Hueftgelenksdysplasie koennen von einer verminderten Aktivitaet, was besonders bei Welpen auffaellig ist, ueber starke Schmerzen bis hin zu passiven Bewegungsablaeufen des Hueftgelenks, reichen, wie zum Beispiel:

          •    Der Hund hat zunehmende Schmerzen bei Spaziergaengen.
          •    Er kann nicht mehr grosse Strecken laufen.
          •    Beim Spazierengehen sitzt er haeufig ab.
          •    Zeitweise zeigt er beim Spielen Schmerzlaute.
          •    Er ist unsicher auf der Hinterhand und zeigt Lahmheitserscheinungen.
          •    Man hoert zeitweise ein  Knirschen und/oder Klicken der betroffenen Gelenke.

Bei auftretenden Symptomen sollte die Huefte des Hundes vom Tierarzt geroentgt werden.

Diagnose:
Zum Zeitpunkt der Geburt des Hundes ist eine Diagnose noch nicht moeglich, da sich die Merkmale der Dysplasie erst im Laufe der Welpen- und Jugendwicklung bilden.

Eine sichere Diagnose kann nur durch Roentgenaufnahmen gestellt werden.
Dies wird unter Narkose durchgefuehrt, da der Hund im fortgeschrittenen HD eine Fixierung und eine notwendige Ueberdehnung der Hueftgelenke nicht ohne weiteres ueber sich ergehen lassen wuerde.

Die Aufnahme muss absolut symmetrisch sein, ausser den Hueftgelenken sowie den Darmbeinfluegeln muessen auch die Kniegelenke und Kniescheiben vollstaendig im Bild sein. An Hand der Bilder koennen schon abnorme Veraenderungen, bei dem der Oberschenkelkopf nicht korrekt in der Gelenkspfanne liegt, sichtbar gemacht werden. Bei jungen Hunden ist gelegentlich nur ein auffaellig lockeres Hueftgelenk zu beobachten, bei dem der Oberschenkelkopf nicht korrekt in der Gelenkspfanne liegt.
Bei den Roentgenaufnahmen wird zusaetzlich noch die Messung des so genannten NORBERG - Winkels durchgefuehrt. Diese Messung, die mit einer speziellen Schablone direkt am Roentgenbild erfolgt, erlaubt eine objektive Zusatzbeurteilung des Hueftzustandes. Erwuenscht ist ein Wert von 105° oder darueber; geringere Werte deuten auf flache Pfannen oder auch auf lose Hueften hin.
Je nach Ausmaß der roentgenologisch erkennbaren Veraenderungen wird eine Einteilung in fuenf  verschiedene Schweregrade vorgenommen:

          A = HD-frei; fuer in jeder Hinsicht unauffaellige Gelenke mit einem NORBERG-Winkel von 105°
                 oder mehr!

          B = Uebergangsform; fast normal, Uebergang oder HD-Verdacht bei geringen Veraenderungen
                 in Kopf oder Pfanne und einem NORBERG-Winkel von mindestens 100° !

          C = leichtgradige HD; etwas deutlichere Abweichungen finden sich bei leicht außerdem Inkongruenz
                 und evtl. ein divergierender Gelenkspalt. Der NORBERG-Winkel liegt um die 100°!

          D = mittelgradige HD; hier bestehen schon gravierendere Veraenderungen mit arthrotischen
                 Zubildungen. Der NORBERG-Winkel liegt zwischen 90° und 100°!

          E = hochgradige HD
; hier ist schliesslich  das gesamte Gelenk stark veraendert. Es kann eine
                 vollstaendige Luxierung vorliegen, auf den ersten Blick erkennt man die arthrotischen
                 Veraenderungen und der NORBERG-Winkel liegt unter 90°!
 
Die Befunde sind bei der Zucht der Rassehunde von großer Bedeutung. Aber auch die Paarung aus HD-freien Elterntieren bietet keine Garantie, dass die Nachkommen HD-frei sind.

Die Auswertung von HD-Aufnahmen fuer die jeweilige Zucht ist nur durch von den Rassezuchtverbaenden zugelassene Gutachter moeglich, an die der Tierarzt die Roentgenbilder zur Begutachtung einschickt.
 
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Differentialdiagnosen:
Diagnostisch muss eine Huetgelenksdysplasie von anderen Stoengen des Skelettsystems, z. B. Luxation, Abloesung von Gelenkknorbel usw. abgegrenzt werden. Ihr Tierarzt kennt die moeichen, anderen Stoengen und die notwendigen Untersuchungen zur Abgrenzung,

Therapiemaßnahmen:

Geeignete Maßnahmen und Medikamente können die Schmerzen und Beschwerden lindern!
Medikamentoese Massnahmen:

          1.    Therapie mit entzueungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Antiphlogistika).

A. Operative Massnahmen:

          1.    Denervation: Bei einer Denervation am Huegelenk werden schmerzleitenden Nerven durchtrennt
                 und die Teile der Knochenhaut ausgeschabt. Hierdurch erreicht man eine Schmerzfreiheit
                 des Gelenks, die Ursache bleibt aber weiterhin bestehen und damit auch die Gefahr der
                 Arthrosebildung. Im Zusammenhang mit der Denervation wird oefter zusaetzlich zur
                 Nervendurchtrennung auch der Pectineus-Muskel ebenfalls ausgeschaltet.         

          2.    Endoprothese = kuenstliches Hüftgelenk: Bei schwerer HD passen Hueftpfanne und
                 Hueftgelenksknochen gar nicht zueinander und darum waere dies eine Moeglichkeit das komplette
                 Gelenk, durch ein kuenstliches, zu ersetzen. Hierbei werden dem Hund unter Vollnarkose entweder
                 nur Hueftkopf oder Hueftpfanne ersetzt oder auch beide Teile des Hueftgelenks durch ein
                 kuenstliches Material ersetzt. Hierdurch erreicht man natuerlich eine vollkommene
                 Beschwerdefreiheit,weil man die Ursache der Schmerzen entfernt.
                 Die Operation sollte nicht vor dem Abschliessen des Wachstums durchgefuehrt werden, also erst
                 wenn sich die Wachstumsfugen geschlossen haben. 
              
          3.    Femurkopfresektion: obere Teil des Oberschenkelknochens entfernt, sowie alle kantigen
                 Knochenvorsprünge in der Gelenkflaeche der Pfanne abgehobelt und geglaettet. Hierdurch erreicht
                 man das der Kontakt zwischen den Knochen entfernt wird und somit der Schmerz nicht mehr
                 vorhanden ist. Die Funktion des Hueftgelenks uebernehmen dann die Muskeln im Hueftbereich,
                 die im Normalfall sehr gut ausgebildet sind.

          4.    Goldimplantate: Hierbei werden dem Hund, waehrend einer leichten Narkose, Goldimplantate
                 mit einer Hohlnadel an genau bestimmte Akupunkturpunkte eingesetzt, die man vorher durch eine
                 genaue Untersuchung festgelegt hat. Man erreicht hierdurch eine Dauerakupunktur und damit die 
                 Unterbrechung der Schmerzleitung und somit eine Schmerzfreiheit fuer den Hund.                 

          5.    Pectinectomie = Pectineus-Muskel-Durchtrennung: Bei diesem Eingriff wird einer der Muskeln der
                 Hintergliedmaße, der Pectineus-Muskel, durchtrennt. Dadurch erreicht man das der Druck des
                 Hueftkopfs n die Pfanne verringert und dadurch die Bewegungsfreiheit verbessert wird,
                 da der Hund eine Schmerzlinderung verspuert. Dadurch wird auch die Bildung von Arthrose
                 herabgesetzt, allerdings empfiehlt sich diese Methode nur, wenn noch keine oder erst geringe 
                 arthritischen Veraenderungen vorliegen, denn vorhandene Arthrosen schreiten trotzdem
                 weiter fort.  
 
B. Alternative Massnahmen:

          1.    Akupunktur: Die Akupunktur wird hier im Zusammenhang mit der Schmerzunterdrueckung
                 eingesetzt.

          2.    Futterzusaetze: Es gibt massenhaft Zusätze, die die Knorpelbildung beeinflussen und
                 kräftigen sollen oder die eine Stoffwechselfunktion im Gelenk anregen sollen.

          3.    Neuraltherapie: Man versucht durch gezielte Injektionen mit einem Lokalanaesthetikum
                 (= lokales Betaeubungsmittel), direkt am Nerv, den Schmerz auszuschalten.

          4.    Physiotherapie: Die Physiotherapie kann man schon bei der ersten Diagnose HD
                 einsetzen, damit die Krankheit nicht allzu schnell fortschreitet.


Empfehlungen:

          1.    Sollten Sie sich für den Kauf eines Welpen interessieren, dann lassen Sie sich vom
                 Zuechter die Bescheinigung ueber die HD-Freiheit der Eltern und der Grosseltern des 
                 Welpen geben.
 
          2.    Ausserordentlich wichtig ist, dass alle Hunde mit HD nicht zu schwer werden.
                 Denn jedes Gramm zu viel bedeutet eine unnoetige Belastung für die Gelenke.

          3.    Bei einem Hund mit Veranlagung zu HD kann man  durch eine zurueckhaltende und
                 ausgewogene Fuetterung das Ausmass der Krankheit mildern. Man sollte ein
                 Vollwertfutter verabreichen und das Ueberangebot von Kalzium vermeiden.
                 Eine energiereiche und zu eiweissreiche Fuetterung hat sich aus meiner Sicht als
                 nachteilig heraus gestellt.    
 
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Vorbeugung:

Wie bereits zuvor gesagt, stellt  die HD auch eine Erkrankung mit genetischen Faktoren dar.
Somit gibt es zur Vorbeugung eigentlich nur die verantwortungsvolle Auswahl der zu verpaarenden Zuchttiere und somit  auch der Ausschluss der Verpaarungen  von Hunden mit HD-C und -D mit –A, damit man die Hueftgelenksdysplasie bei den Folgegenerationen verhindern kann.

Hinweis:
Die Inhalte seiner Beitraege werden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen dem jeweiligen Besucher zur Verfuegung gestellt. Die Informationen auf den Seiten http://www.familial-shar-pei-fever.de/ ersetzen nicht die professionelle Diagnostik, Beratung und Therapie durch einen Tierarzt! Sie stellen nur ein Informationsangebot dar. Diese Informationen wurden im guten Glauben und im Vertrauen auf die professionelle Integritaet
seiner Quellen hier moeglichst originalgetreu wiedergegeben. Aussagen ueber Produkte und Gesundheitszustaende sind nicht durch den Autor dieser Webseite ausgewertet worden  Alle Informationen ueber diagnostische und therapeutische Methoden (inkl. Informationen ueber Medikamente) gelten nicht als persoenliche Empfehlung oder Therapievorschlag. Geben Sie ihrem Hund niemals Medikamente (Heilkraeuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem Tierarzt! Da der Autor selbst nicht ueber medizinische Kenntnisse verfuegt, uebernimmt er auch keine Haftung der angebotenen Informationsbereitstellung.

Der Autor wird sich weiterhin informieren und versuchen dies auch in Zukunft in einer allgemein verstaendlichen  Weise auf "Papier" zu bringen.
 
Hanspeter Kobold
Glashuetten, im Juni 2008
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Quellen:

          •    HD - Was nun?: Hüftgelenksdysplasie vorbeugen, erkennen und behandeln
                von Valeska Furk.

          •    Zur Entwicklung der Articulation coxa und radiologischen Fruehdiagnostik der
                Hueftgelenkdysplasie des Hundes. Eine morphologische Studie von Ewald Köppel von Enke.

          •    Rueckenprobleme beim Hund: Untersuchungsreport von Anders Hallgren.

          •    A bis Z der Hundekrankheiten. Symptome, Diagnosen, Ursachen, Behandlung
               von   Dick Lane , Neil Ewart.

          •    Der Jahrtausendirrtum der Veterinaermedizin. Die Hueftgelenksdysplasie infolge Fehlernaehrung
                als nicht erbliche Skeletterkrankung des Hundes  von Klaus D Kammerer

          •    Massage und Physiotherapie bei Hunden von Alexandra Mauring, Günter M. Lutsch

          •    Hunde-Physiotherapie: Fit und gesund durch Krankengymnastik von
                Dorthee Kühnau & Beate Warnat
  
                http://www.wdr.de/tv/servicezeit/tiere_suchen/
 

                http://www.tiermedizin.de/