Gendefekte und ihre Folgen.

 

Erbkrankheiten und Missbildungen bei dem Rassehund Shar Pei, hervorgerufen durch Gendefekte, sind mit Leiden und Kosten, oft das Mehrfache ihres Anschaffungspreises, sowie Verlusten fuer den Hundehalter verbunden. Viel schlimmer ist jedoch, dass die erkrankten Tiere von qualvollen Schmerzen und so von grossen Qualen betroffen sind. Sie finden oftmals vorzeitig und dann sehr schmerzvoll den Tod. Immer haeufiger liegen rein genetische Faktoren, Gendefekte, bzw. Mutationen vor, die für  diese Erkrankungen sowie Missbildungen und letztendlich fuer den vorzeitigen Tod als Ursachen verantwortlich sind.

 

Viele der bekannten Erbkrankheiten sind erst durch zuechterische Maßnahmen entstanden und fuehren heute in unzaehligen Faellen zu kranken Tieren, die oft unter den Auswirkungen leiden.

 

Erbbedingte genetische Stoerungen werden durch Mutationen der Chromosome oder Gene verursacht.

 

Durch eine Mutation von DNA-Abschnitten werden Veraenderungen des Erbgutes herbeigefuehrt, also die in der DNA gespeicherte Information veraendert, die wiederum  

einzelne Merkmale eines Lebewesens veraendern und zum Teil toedlich fuer den betroffenen Organismus sein koennen.

 

Das Erbgut eines Lebewesens befindet sich im wesentlichen im Zellkern. Es besteht aus der so genannten Desoxyribonukleinsäure (DNA). Die DNA liegt bei Hunden nicht in Form eines Stuecks, sondern mit 78 Chromosomen, also 39 Chromosomenpaare in jeder Koerperzelle vor. Fuer jedes Chromosomenpaar gilt, dass ein Chromosom vom Vater und eines von der Mutter stammt. Eines der Chromosomenpaare im gesamten Erbgut ist ausschlaggebend für das Geschlecht des Tieres. Bei den beiden Geschlechts-chromosomen unterscheiden wir zwischen X und Y Chromosom. Weibliche Hunde besitzen zwei X, maennliche jeweils ein X und ein Y-Chromosom. Die Chromosomen, die nicht fuer das Geschlecht verantwortlich sind, bezeichnet man als Autosomen. Bestimmte Abschnitte auf allen Chromosomen enthalten den Code fuer spezielle Proteine und Enzyme. So ein Abschnitt wird als Gen bezeichnet. Der Ort an dem sich ein Gen befindet wird auch Locus genannt. Jeder Locus auf einem vaeterlichen Chromosom hat also ein entsprechendes Gegenstueck am dazugehoerigen muetterlichen Chromosom. An den einander entsprechenden Loci gibt es folglich jeweils ein Gen vom Vater und eines von der Mutter. Unterschiedliche Genvarianten werden als Allele bezeichnet. Die beiden einander entsprechenden Allele bilden den Genotyp fuer einen bestimmten Locus.

 

Gleich zwei Teams amerikanischer Wissenschaftler entschluesselten nach zweijaehriger Forschungsarbeit das Genom und die Genomsequenz des Hundes. Alle oeffentlich zugaengigen Informationen zum Hundegenom koennen unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/genome/guide/dog/ abgerufen werden.

 

In USA werden erhebliche Geldbetraege fuer die Erforschung von Gendefekten, den Erbkrankheiten und Missbildungen bei dem Rassehund Shar Pei aufgewendet. So gibt es z. B. dort die „HealthGene Corp.“, ein fuehrendes Diagnose- und Forschungslabor im Bereich der DNS-Analysen, das genetische und ansteckende Krankheiten bei Hunde testet.

 

In Deutschland sind die Gelder für diese Forschungen beim Hund sind stark begrenzt.

 

Fuer die langfristige Erhaltung der Shar Pei Hunde ist es nicht zu akzeptieren, dass viele Welpen an schwerwiegenden Erbfehlern erkranken und in vielen Faellen auch sehr schnell verenden. Viele dieser kongenitalen, schon bei der Geburt vorhandenen Erkrankungen, sind auf  Rassepraedispositionen (rassebedingte Bereitschaft zur Erkrankung) oder familiärem Auftreten zurueck zu fuehren. Sie sind „die“ genetische Bedrohung der Rasse!

Die betroffenen und verstorbenen Hund werden oft, ohne weitere Untersuchungen durch einen Tierarzt beseitigt. Da verschwinden oftmals ganze Wuerfe!  Es versteht sich fast von selbst, dass viele dieser fruehen Todesfälle von gewissen (-slosen) „Zuechtern“ auch heute noch verschwiegen oder als "natuerliche Auslese" abgetan werden. Mit den belasteten Elterntieren wird in „Wiederholungsverpaarungen“ bedenkenlos weitergezuechtet!

Ich kenne nur eine Zuechterin in Deutschland, die all ihre verstorbenen Hunde durch ein Institut fuer Tierpathologie pathologisch-anatomisch und histologisch untersuchen laesst, um die Ursache des Ablebens festzustellen. Vielleicht gibt es auch noch andere gewissenhafte und verantwortungsvolle Zuechter, nur ich kenne sie nicht!

Die Zucht mit erblich belasteten Elterntieren ist fatal, insbesondere dann, wenn es sich bei den Erbfehlern um adulte handelt. Diese Erbfehler werden erst dann festgestellt, wenn bereits belastete Welpen geboren wurden.

 

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Im Bereich der Zucht von Shar Pei Hunden ist das Vorhandensein von rezessiv vererbten Gendefekten ein bekanntes Problem.

 

Bei einem rezessiven Erbgang muss das Chromosom mit dem Gendefekt doppelt angelegt sein, damit die Krankheit zum Ausbruch kommt. Meist sind beide Elternteile gesund, da sie das Chromosom mit dem Gendefekt nur einmal tragen. Nur wenn beide Elterntiere das Chromosom mit dem Gendefekt an einen Nachkommen weitergeben, kommt es beim Nachkommen zur Erkrankung. Eine autosomal-rezessive Erkrankung kann also mehrere Generationen ueberspringen. Diese Gendefekte fuehren haeufig zu direkt erkennbaren Erkrankungen.

 

Die Frueherkennung und damit die Eindaemmung von erblichen Defekten ist so wichtig. Ziel muss sein, dass sich mutierte Gene nicht innerhalb einer Familie unserer geliebten Shar Pei Rasse weiter ausbreiten koennen. Gerade bei dominant vererbten Krankheiten koennen zuechterische Maßnahmen sehr effektiv zum Erfolg und zu einer raschen Eindaemmung, ja zu einer raschenEliminierung des Gendefektes fuehren.

 

Bei der Zuechtung der Rasse Shar Pei wurden gewuenschten Merkmalen seit den 70ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstaerkt. Es wurden aber auch Mutationen, – Gendefekte –, in Kauf genommen, die unter anderen auch die Erbkrankheit das „Familiaeres Shar Pei Fieber – FSF -“  verursachen koennen. Dies trifft auch auf die anderen Erbkrankheiten zu.

 

Inzucht und Wiederholungsverpaarungen mit und von belasteten Elterntieren durch bestimmte „Zuechter“ und deren Rechtfertigungen, dass z. B. das „Familiaeres Shar Pei Fieber – FSF -“  keine nachgewiesene Erbkrankheit und der Gendefekt (noch) nicht lokalisiert sei, ist fuer die Zukunftsperspektive der Rasse Shar Pei ein Disaster!  

 

Auch die jahrelangen Erfahrungen mit dem klinischen Krankheitsverlauf der Fieberschuebe  bei Hunden mit „Familiäres Shar Pei Fieber“ berechtigt, die entsprechende Diagnose „FSF“ zu stellen.

 

Es fehlt die Transparenz in der Shar Pei Zucht! Wir muessen ueber Gendefekte und ihre Folgen oeffentlich reden.

 

Ich kann immer nur wieder an alle Beteiligten, ob Zuchtverbaende, Zuchtvereine, Hundebesitzer, gewissenhafte und verantwortungsvolle Zuechter sowie Veterinäre oder Wissenschaftler der Veterinaermedizin appelieren:

 

Eine oeffentlich zugaengige „DATENBANK – SHAR PEI ZUCHT“ sollte von der „FCI“ in Zusammenarbeit mit dem „VDH“angelegt werden, die alle Shar Pei Hunde mit all ihren Daten der Abstammung und der genetischen Dispositionen, der aufgetretenen Erbkrankheiten, der Lebensdauer und der Todesursache erfassen muss.

 

„Dies kann nur in aller Offenheit und in enger Zusammenarbeit mit den Verbaenden, den Zuchtvereinen, auch denen, die nicht im „VDH“ organisiert sind,  den nicht noch immer schweigenden Hundehaltern und den verantwortungsvollen Zuechtern sowie Tieraerzten und Wissenschaftler geschehen.“

 

Literaturhinweise:

Hansen, I.: Vererbung beim Hund, Rueschlikon Verlag

Willis, M.B.: Genetik der Hundezucht. Kynos-Verlag

Ptterson, D.F.: Canine Genetic Desease Information System. Mosby-Verlag, New York

Scriver, C.R., Beaudet, W.S. und Sly, W.S.: The Metabolic And Molecular Basis Of Inherited Deseases. McGrall-Hill, New York

Jezyk, P.F.: Metabolic diseases - An emerging area of veterinary pediatrics. Comp. Cont. Educ Sm Anim.

 

Hanspeter Kobold

Bremen, im September 2007

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