Schilddruesenunterfunktion beim Shar Pei.


Hat Dein Shar Pei sich in seinem Verhalten und in seinem Aussehen veraendert?

Hat er klinische Symptome und gibt es Laborwerte, die Dir unerklaerlich sind?

Solche Verhaltensprobleme koennen auf eine Schilddruesenunterfunktion hindeuten.

Viele Shar Pei Besitzer und Tieraerzte erkennen eine subklinische Unterfunktion nicht immer sofort. Die Erkrankung entwickelt sich im Verborgenen. Die betroffenen Hunde bleiben zuerst einmal ohne eine notwendige Therapie. Das Problem wird oftmals nicht erkannt!

Die Hypothyreose ist bei Hunden die bei weitem haeufigste Erkrankung der Schilddrüse. Hunde jeden Alters sind betroffen. Unter einer Schilddruesenunterfunktion leiden meist Hunde zwischen dem 1. und 6. Lebensjahr.

Zum Krankheitsbild einer Hypothyreose / Schilddruesenunterfunktion koennen im allgemeinen folgende Symptome hindeuten:

Der Shar Pei ist unaufmerksam und gleichgueltig gegenueber seinem sonstigen Umfeld. Er ist apathisch!
Er ist auf einmal aengstlich und stressanfaellig.
Der Hund schlaeft sehr viel und bewegt sich nicht mehr ausgiebig. Er hat eine schlechte Kondition.
Er ist schwach!
Der Hund friert sehr schnell.
Der Hund hat ploetzlich aggressive Verhaltensweisen.
Der Shar Pei nimmt an Gewicht zu, ohne dass er mehr frisst oder das Futter umgestellt wurde.
Sein Haarkleid- und Haut veraendert sich. Der Hund hat ein fettiges, talgiges und stumpfes Haarkleid mit starker  Schuppenbildung. Vielleicht hat er auch punktuell Haarausfall. Es sind kahle Stellen zu sehen. Hier aendert sich die Pigmentierung. Die Haut ist ganz trocken und fuehlt sich rau an.
Der Shar Pei hat eine erhoehte Infektanfaelligkeit, z.B. schlecht behandelbare Ohrenentzuendungen (Otitis externa).
Der Tierarzt stellt bei Deinem Shar Pei eine Herzrhythmusstoerung fest.
Er hat erhoehte Colesterinwerte.
Die Werte seiner Leberenzyme sind erhoeht.

Bei einem Shar Pei, mit einem Mangel an Schilddruesenhormonen, kann man ein und/oder mehrere Sympthomen, wie zuvor beschrieben, erwarten, auch wenn diese nicht alle gleichzeitig auftreten muessen. Um die Unterfunktion der Schilddruese festzustellen, reichen die Symptome allerdings nicht.

Die Schilddruese ist wohl die "bekannteste" Hormondruese. Stoerungen ihrer Funktion sind recht haeufig. Deshalb ist das Wissen um die Funktion und Wirkungsweise dieser endokrinen Druese sehr wichtig.

Diese Druese liegt beim Hund links und rechts von der Luftroehre, etwa auf Hoehe der ersten drei bis acht Knorpelringe, also dicht am Kehlkopf und besteht aus zwei Organen . Die beiden ueber einen schmalen Streifen (Isthmus) miteinander verbundenen Schilddruesenorgane kann man nur erfuehlen, wenn sie angeschwollen sind, also eine Stoerung vorliegt; ansonsten ist sie nicht ertastbar.

Die Schilddruese ist Teil eines Regelkreises bestehend aus Hypothalamus, Hypophyse und Schilddruese. Sie ist für die Produktion von Hormone verantwortlich. Angeregt durch das Hormon des Hypothalamus, des TRH, produziert die Hypophyse das Hormon TSH. In Abhaengigkeit vom TSH-Spiegel werden die Hormone T3 und T4 vom Epithel aus den Follikeln über entsprechende Stoffwechselvorgaenge aufgenommen und in das Blut abgegeben. Diese Schilddruesenhormone sind nicht nur für den gesamten Stoffwechsel und die Aktivität des Nervensystems maßgebend. Sie sind auch mitverantwortlich für die koerperliche Entwicklung und das psychische Wohlbefinden des jeweiligen Tieres. Je hoeher die Hormonkonzentration, desto aktiver der Stoffwechsel und damit der gesamte Organismus.

Ohne diese Hormone bleiben z. B. Jungtiere in ihrer geistigen und koerperlichen Entwicklung zurueck.
 

{mospagebreak}


Wie bereits zuvor gesagt, kann die Krankheit anfangs subklinisch, das heißt im Verborgenen stattfinden und ist dann oftmals ein unterschaetztes Problem. Die Krankheit entwickelt sich langsam und schleichend! Hervorgerufen wird sie durch einen langsam fortschreitenden Funktionsverlust der Schilddruese. Sie bleibt dann meist auch für das geschulte Auge des Hundebesitzers unbemerkt. Unter subklinisch versteht man, dass hier veraenderte Laborwerte vorliegen, die noch nicht unbedingt mit Symptomen einhergehen.

Besteht der Verdacht auf eine subklinisch verlaufende Schilddruesenunterfunktion , sollte unter allen Umstaenden einen Experten aufgesucht werden.

Eine Hypothyreose mit klinischen Beschwerden ist immer behandlungsbeduerftig.

Die Unterfunktion, eine Hypothyreose der Schilddruese bedeutet  eine mangelnde Versorgung mit den Schilddruesenhormonen  Triiodthyronin = T3 und Tetraiodthyronin = Thyroxin = T4.

Triiodthyronin = T3 foerdert die Waermeentwicklung, erhoeht den Sauerstoffverbrauch, beschleunigt die Kohlenhydrataufnahme, steigert die Neubildung von Glukose sowie die Mobilisation des Leberglykogens, das Speichern von Kohlenhydraten), aktiviert die Freisetzung koerpereigener Fettbestaende, beschleunigt den Choesterinaufbau und -abbau, foerdert die Proteinsynthese, beeinflusst den Wasserhaushalt und den Knochenstoffwechsel. Unentbehrlich sind Schilddruesenhormone für die Wachstums- und Reifungsprozesse des Skeletts sowie für die Gehirnentwicklung.

Tetraiodthyronin = Thyroxin = T4 ist weniger wirksam, als T3. Dafuer wird aber sehr viel mehr T4 gebildet.

Ein wichtiger Baustein für die Produktion der Hormone T3 und T4 ist das essentielle Spurenelement Jod. Tritt ein Jodmangel ein, aendert sich das Verhaeltnis zugunsten von T3. Das Jod bleibt nicht im Koerper Es wird zu ungefaehr 80 Prozent mit dem Harn ueber die Niere und zu ca. 20 Prozent mit dem Stuhl ueber den Darm wieder ausgeschieden.
Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass in über 80% der Fälle, die Ursache für die Unterfunktion der Schilddruese eine erblich bedingte Autoimmunkrankheit ist, die zu einer fortschreitenden Zerstoerung des Schilddruesengewebes fuehrt. Der Gewebeverlust fuehrt zum Abfall der Hormonproduktion.
Dabei richtet sich das Immunsystem gegen koerpereigene Stoffe, wie zum Beispiel gegen T3 oder T4. Diese autoimmun bedingte Thyroiditis wird aber oftmals erst nach dem Auftauchen der klinischen (koerperlichen) Symptome, also im fortgeschrittenem Stadium erkannt.

Da eine Autoimmunkrankheit immer auf einen genetischen Defekt zurueck zufuehren und vererbbar ist, sollten auf jeden Fall Zuchttiere eingehend auf eventuelle Schilddruesenfehlfunktionen untersucht werden, da sie dies sonst an die Welpen weitergeben können – 80% aller Hypothyreosefaelle fallen in diese Kategorie!

Starke Unterfunktionen behandelt man mit Schilddruesenhormonen. Manchmal sind die Abweichungen aber nur gering, so dass die Schilddruesenhormonwerte bei Blut- untersuchungen sich noch im unteren Segment der Normalwerte befinden.

Behandelt wird der Hund meist mit Tabletten (L-Tyroxinen-Tabletten). Diese Substitutions-Therapie bekommt er dann taeglich, ohne Unterbrechung, sein Leben lang. Jeder Hund muss ganz individuell eingestellt werden.

Eine  Hypothyreose ist nicht heilbar!

Die Hunde haben jedoch gut eingestellt bei regelmäßiger Tablettengabe und Wertekontrolle eine normale Lebenserwartung und eine gute Lebensqualität.

Meist zeigt sich dann auch schon in der ersten Woche nach Verabreichung der Tabletten eine Besserung der Krankheitssymptome! Der Hund wird aktiver; die Hautprobleme bessern sich jedoch nicht so schnell !

Ich habe es bereits schon zuvor gesagt und sage es hier noch einmal:

„Autoimmunkrankheit ist immer einen genetischer Defekt und vererbbar!“


Auf jeden Fall sollten Zuchttiere eingehend auf eventuelle Schilddruesenfehlfunktionen untersucht werden, da sie sonst diese Fehlfunktion an die Welpen weitergeben können!


Hanspeter Kobold
Bremen, im November 2007

Die Rechte und das Copyright liegen beim Verfasser. Alle Rechte vorbehalten.Eine Weiterverbreitung in jeglicher Form (auch auszugsweise) ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung gestattet. Anregungen, Hinweise oder sonstige Kritik sind mir jederzeit willkommen.